Parents For Future an WKÖ, IV und Wirtschaftsbund: „Bremsen ist keine Wirtschaftsstrategie“

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Dürreschäden zeigen Kosten der Klimakrise – Österreich braucht verbindlichen Klimapfad und eine wirtschaftliche Zukunftsstrategie

Wien, 20. August 2026 – Während innerhalb der Bundesregierung über Dürrehilfen und das Klimaschutzgesetz gestritten wird, sprechen sich Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung gegen eine gesetzliche Festschreibung der Klimaneutralität Österreichs bis 2040 aus. Parents For Future Österreich warnt davor, in der Diskussion ausschließlich die Kosten des Klimaschutzes zu betrachten.

„Die Dürremilliarde ist keine Rechnung aus einer fernen Zukunft. Sie liegt heute auf dem Tisch. Wenn wir über die Kosten von Klimaschutz sprechen, müssen wir endlich auch ehrlich über die Kosten des Nichthandelns sprechen“, erklärt Parents For Future Österreich.

Klimaschäden sind längst ein Wirtschaftsfaktor

Die aktuelle Dürre zeigt exemplarisch, dass die Kosten der Klimakrise längst in Österreich angekommen sind: Allein in der Landwirtschaft werden die Schäden auf rund eine Milliarde Euro geschätzt. Betroffen sind jedoch weit mehr Wirtschaftsbereiche – von Forstwirtschaft und Tourismus über Infrastruktur und Energieversorgung bis zu Transportwegen, Produktion und Arbeitsproduktivität.

Und die Rechnung droht deutlich größer zu werden: Das WIFO beziffert die klimawandelbedingten Schäden in Österreich für 2020 bereits auf mindestens rund 2 Milliarden Euro jährlich. Bis 2030 könnten sie auf 2,5 bis 5,2 Milliarden Euro pro Jahr, bis 2050 auf 4,3 bis 10,8 Milliarden Euro pro Jahr steigen.

Gleichzeitig drohen zusätzliche Belastungen, wenn Österreich seine verbindlichen europäischen Klimaziele verfehlt. Auch die langfristige Budgetprognose des Finanzministeriums zeigt erhebliche finanzielle Risiken durch die notwendige Klima-Zielerreichung auf.

„Wer über die Kosten des Klimaschutzes spricht, darf die Milliardenkosten des Nichthandelns nicht ausblenden. Klimaschäden, fossile Energieimporte und Kosten durch verfehlte EU-Ziele sind ebenfalls Standortkosten. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Klimaschutz etwas kostet – sondern welche Strategie für Österreich langfristig die geringeren Kosten und die größeren wirtschaftlichen Chancen bringt.“

Parents For Future fordert daher eine wirtschaftliche Gesamtrechnung: Den Investitionen in Klimaschutz müssen vermiedene Klimaschäden, vermiedene Kosten der Zielverfehlung, geringere fossile Importabhängigkeit und die Wertschöpfungs- und Exportchancen einer klimaneutralen Wirtschaft gegenübergestellt werden.

Deutschland zeigt: Verbindliche Ziele und Industriestandort schließen einander nicht aus

Parents For Future verweist insbesondere auf Deutschlands Klimaschutzgesetz. Österreichs wichtigster Handelspartner hat gesetzlich mindestens 65 Prozent Emissionsreduktion bis 2030, mindestens 88 Prozent bis 2040 und Treibhausgasneutralität bis 2045 festgeschrieben.

Auch die EU hat ihren Weg festgelegt: mindestens 55 Prozent weniger Emissionen bis 2030, 90 Prozent weniger Netto-Treibhausgasemissionen bis 2040 und Klimaneutralität bis 2050.

„Die Transformation findet statt – unabhängig davon, ob Österreich sie beschleunigt oder bremst. Die wirtschaftspolitische Frage lautet daher: Wollen wir sie aktiv gestalten und davon profitieren oder so lange warten, bis wir unter immer größerem Zeitdruck reagieren müssen?“

Österreich kann zu den Gewinnern gehören

Österreich verfügt über große Stärken in Umwelt- und Energietechnik, Wasserkraft, Gebäudetechnologie, Bahn- und Verkehrstechnik, Kreislaufwirtschaft und industriellen Technologien. Auch die Transformation der Stahlindustrie bietet Chancen für Innovation und Export.

Parents For Future fordert daher WKÖ, Industriellenvereinigung und Wirtschaftsbund auf, die Diskussion nicht auf die kurzfristigen Kosten der Transformation zu reduzieren.

„Diese Organisationen vertreten nicht nur Unternehmen, für die Transformation Kosten bedeutet. Sie vertreten ebenso Unternehmen, die bereits heute unter Klimaschäden leiden – und jene, die mit klimaneutralen Technologien neue Märkte erschließen können. Wirtschaftspolitische Interessenvertretung muss auch diese langfristigen Interessen berücksichtigen.“ 

„Die Welt wird in den kommenden Jahrzehnten enorme Summen in klimaneutrale Energieversorgung, Industrie, Gebäude und Mobilität investieren. Entscheidend für Österreichs Wohlstand wird sein, ob wir die dafür benötigten Technologien importieren oder selbst entwickeln und exportieren.“

Verbindliche langfristige Klimaziele können dabei Planungssicherheit schaffen. Gerade industrielle Investitionen haben Laufzeiten von Jahrzehnten.

Klimaschutz ist auch Sicherheits- und Friedenspolitik

Eine konsequente Energiewende reduziert zudem Österreichs Abhängigkeit von fossilen Energieimporten und internationalen Krisen.

„Wer weniger Öl und Gas importieren muss, ist weniger abhängig von geopolitischen Konflikten, instabilen Lieferketten und autoritären Exportstaaten. Klimaschutz ist deshalb nicht nur Umweltpolitik. Er ist Wirtschafts-, Sicherheits- und Friedenspolitik.“

Offener Brief an Wirtschaftsvertreter

Parents For Future richtet deshalb in einem offenen Brief konkrete Fragen an WKÖ, Industriellenvereinigung und Wirtschaftsbund.

Wenn die Klimaneutralität 2040 nicht verbindlich festgeschrieben werden soll, welchen verbindlichen Klimapfad schlagen die Wirtschaftsvertreter stattdessen vor, mit dem Österreich seine EU-Verpflichtungen zuverlässig erreichen kann?

Welche Kosten zunehmender Klimaschäden werden bei der Bewertung der Klimapolitik berücksichtigt?

Und welche Strategie soll sicherstellen, dass österreichische Unternehmen auf den weltweit wachsenden Märkten für klimaneutrale Technologien zu den Gewinnern gehören?

„Deutschland hat Klimaneutralität 2045 längst gesetzlich festgeschrieben. Europa hat sein 2040-Ziel beschlossen. Österreich sollte nicht darüber diskutieren, wie lange wir die Transformation noch hinauszögern können, sondern wie wir wirtschaftlich erfolgreich aus ihr hervorgehen.“

Für Parents For Future geht es dabei auch um Generationengerechtigkeit:

„Kurzfristig vermiedene Transformationskosten dürfen nicht zu Klimaschäden, Anpassungskosten und finanziellen Belastungen werden, die wir unseren Kindern hinterlassen. Wer Österreichs Wirtschaft schützen will, muss deshalb auch unsere Lebensgrundlagen schützen.“

Parents For Future Österreich
… weil wir unsere Kinder lieben.

Quellen und weiterführende Informationen

Aktuelle Debatte zum österreichischen Klimaschutzgesetz
DER STANDARD, 20.08.2026: „Worüber beim Klimaschutzgesetz gerade gestritten wird“
https://www.derstandard.at/story/3000000336007/worueber-beim-klimaschutzgesetz-gerade-gestritten-wird

Aktuelle Dürreschäden in Österreich
ORF Oberösterreich, 10.08.2026: „Milliardenschaden durch ‚historische Dürre‘“ – rund eine Milliarde Euro Schäden; Auswirkungen unter anderem auf Landwirtschaft, Lebensmittelpreise und Gütertransport auf der Donau
https://ooe.orf.at/stories/3366379/

Kosten von Klimarisiken und klimapolitischem Nichthandeln
WIFO (2024): „Budgetäre Kosten und Risiken durch klimapolitisches Nichthandeln und Klimarisiken“ – klimawandelbedingte Schäden wurden für Österreich für 2020 auf mindestens rund 2 Mrd. Euro jährlich geschätzt; für 2030 werden mindestens 2,5–5,2 Mrd. Euro und für 2050 mindestens 4,3–10,8 Mrd. Euro jährlich ausgewiesen.
https://www.wifo.ac.at/publication/49048/

Kosten einer Verfehlung der österreichischen EU-Klimaziele
Bundesministerium für Finanzen: „Langfristige Budgetprognose 2025“ – ohne zusätzliche Maßnahmen wird das unionsrechtlich verbindliche österreichische Klimaziel 2030 nicht erreicht; die Klima-Zielerreichungszahlungen werden im Basisszenario langfristig mit jährlich 0,3–0,4 % des BIP ausgewiesen.
https://www.bmf.gv.at/services/startseite-budget/Bundesbudget_und_oeffentliche_Finanzen/lfp2025.html

Verbindliches EU-Klimaziel 2040
Rat der Europäischen Union, 05.03.2026: Das geänderte Europäische Klimagesetz schreibt eine Reduktion der Netto-Treibhausgasemissionen um 90 % gegenüber 1990 bis 2040 verbindlich fest. Ziel der EU bleibt Klimaneutralität bis 2050.
https://www.consilium.europa.eu/de/press/press-releases/2026/03/05/2040-climate-target-council-gives-final-green-light/

Deutschland – gesetzlich verbindliche Klimaziele
Bundes-Klimaschutzgesetz, § 3: mindestens 65 % Emissionsreduktion bis 2030, mindestens 88 % bis 2040 und Netto-Treibhausgasneutralität bis 2045, jeweils gegenüber 1990.
https://www.gesetze-im-internet.de/ksg/__3.html