offener Brief an Minister Wiederkehr: Österreichs Schulen und Kindergärten jetzt hitzefit machen!

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An

Herr Christoph Wiederkehr, MA
Bundesminister für Bildung
Minoritenplatz 5,1010 Wien

Wien, 4. September 2026

Betreff: Österreichs Schulen und Kindergärten jetzt hitzefit machen!

 

Sehr geehrter Herr Bildungsminister Wiederkehr, 

Die Sommerferien sind zu Ende, doch die Hitze in den Klassenzimmern bleibt. Während

Kinder und Jugendliche wieder an ihre Schultische zurückkehren und Kleinkinder die Kindergärten besuchen, betreten sie Räume, die sich durch die aufgestaute Sommerhitze vielerorts in Backöfen verwandelt haben. Messungen von Greenpeace und der Universität für Bodenkultur Wien sind alarmierend: Bis zu 38 Grad wurden in den Schulklassen vergangenes Jahr gemessen. Ein geordneter Unterricht und eine kindgerechte Betreuung sind unter diesen Umständen schlicht unmöglich. Schon ab 26 Grad sinkt die kognitive Leistungsfähigkeit nachweislich drastisch. Bei über 30 Grad steht die Gesundheit der Kinder sowie der Lehrkräfte und Elementarpädagog:innen auf dem Spiel. Auch in Kindergärten wurde von ähnlich hohen Temperaturen berichtet. Dies ist besonders dramatisch, da viele Kindergärten keine Sommerferien haben und die Kleinkinder diese Hitze aussitzen müssen. Extremtemperaturen in unseren Bildungseinrichtungen dürfen nicht der Normalzustand werden. Der nächste Hitzesommer kommt mit Sicherheit. 

Deshalb fordern wir Sie auf: Machen Sie den Hitzeschutz in Schulen und Kindergärten auch nach dem Sommer zur Priorität!

Unzählige Nachrichten von Lehrkräften an Teachers for Future und Berichte von betroffenen Eltern zeigen ganz klar, woran es beim Hitzeschutz in den Schulen und Kindergärten immer wieder mangelt:

  1. Architektur als Hitzefalle: Riesige Glasfronten machen zwar die Räume heller, erhitzen aber die Räume gleichzeitig. Viele Lehrkräfte berichten, dass sie die Architektur ihrer Schule grundlegend so wahrnehmen, dass sie Hitze fördert und Abkühlung erschwert.
  2. Fehlender Basis-Schutz: In vielen Schulen und Kindergärten mangelt es bereits an grundlegenden und kostengünstigen Hitzeschutzmaßnahmen wie Außenjalousien. Dazu kommen unzureichende Lüftungsmöglichkeiten und wenig Grün vor den Fenstern und auf den Höfen.
  3. Bürokratische Hürden: Viele engagierte Pädagog:innen und Eltern sind bereit, den Hitzeschutz selbst in die Hand zu nehmen, doch viel zu oft scheitern sie an fehlenden Genehmigungen und Finanzierungen – sogar beim Aufstellen von Ventilatoren.

Der von Ihnen initiierte Hitzeschutz-Gipfel Anfang Juli war ein wichtiges Signal. Schöne Worte kühlen jedoch weder Klassenzimmer noch Kindergartenräume. Es braucht umfassende und effektive Maßnahmen, die bereits im heurigen Herbst und Winter nachweislich gesetzt werden – damit unsere Kinder und das Lehr- sowie Betreuungspersonal in den nächsten heißen Sommermonaten vor extremer Hitze geschützt sind.

Als Unterzeichnende drängen wir auf den sofortigen Beschluss eines  Hitze-Aktionsplans für Schulen und Kindergärten. Dieser muss einen verbindlichen und kontrollierbaren Zeitplan beinhalten und die Umsetzung der drängendsten

Maßnahmen bereits ab Anfang 2027 garantieren. Teil des Hitze-Aktionsplan müssen sein: 

  • Verbindlicher Sanierungsplan: Hitzeschutz darf nicht nur ein Privileg von ein paar wenigen Schulen sein. Wir fordern einen ab Anfang 2027 geltenden Plan für eine Sanierungsoffensive an allen Das bedeutet deutlich mehr Budget für Außenbeschattung, Begrünung, Entsiegelung und Fassadendämmung.
  • Eine 25-Grad-Garantie: Bereits ab 26 Grad sinkt die kognitive Leistungsfähigkeit deutlich, deshalb muss garantiert werden, dass Schulunterricht und Kinderbetreuung mittelfristig bei maximal 25 Grad stattfinden können. Dafür müssen die Gebäude besser gedämmt und in passive Kühlung investiert werden.
  • Bundesweit konsistente Regelungen zum Hitzeschutz: Wir fordern einen bundesweit einheitlichen, klaren Leitfaden für Schul- und Kindergartenleitungen bis Ende 2026, der Genehmigungswege für Hitzeschutzmaßnahmen vereinfacht und Zuständigkeiten (z. B. beim Nachtlüften) verbindlich regelt.
  • Vorplätze und umliegende Straßen beruhigen und begrünen: Der beste Hitzeschutz ist der, der eine Hitzeanpassung mit echtem Klimaschutz verbindet.

Deshalb müssen auch Vorplätze und umliegende Straßen von Schulen und Kindergärten aktiv in der Planung mitgedacht werden. Sie müssen gleichzeitig verkehrsberuhigt und begrünt werden.

  • Klimabildung in die Lehrpläne: Schüler:innen müssen lernen können, verantwortungsvoll, resilient und mutig mit ihrem Leben auf dem Planeten umzugehen – das sollte die begleitende Grundlage jeglicher

Anpassungsmaßnahmen an Schulen sein. Dafür muss Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) verpflichtendes Thema in den Schulentwicklungsplänen werden und österreichweit bezahlte Klimabeauftragte an allen Schulen etabliert werden.

Tun Sie das Notwendige: Machen Sie Österreichs Schulen und Kindergärten hitzefit und setzen Sie den Hitze-Aktionsplan um. Für die Gesundheit und das Wohl unserer Kinder sowie des gesamten Personals.

Mit freundlichen Grüßen

Greenpeace Österreich, Teachers for Future Österreich & Parents for Future Österreich

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