190 Millionen Euro Budgeteinnahmen stehen auf dem Spiel. Während Öffi-Tickets teurer werden, soll Fliegen steuerlich weiter entlastet werden. Parents For Future Österreich kritisieren die Forderung der Bundesländer nach einer Abschaffung der Flugabgabe. Wirtschaftsstandord nicht gefährdet.
Wien, 4.11.2026 – Mit großer Sorge verfolgen Parents For Future Österreich die Forderung mehrerer Landeshauptleute, die österreichische Flugabgabe vollständig abzuschaffen. Ende Oktober haben sich bereits sieben Bundesländer dafür ausgesprochen.[1] Darüber soll bei der am Freitag 6.11.2026 stattfindenden Landeshauptleutekonferenz beraten werden.
Dabei werden aus der Flugabgabe laut Finanzministerium 2026 und 2027 jeweils rund 190 Millionen Euro an Einnahmen erwartet.[2] Angesichts angespannter Staatsfinanzen stellt sich die Frage: Wer soll diesen Ausfall finanzieren?
Der Flugverkehr ist bereits heute steuerlich stark begünstigt: Kerosin ist grundsätzlich von der Mineralölsteuer befreit, internationale Flugtickets sind von der Umsatzsteuer ausgenommen.[3] Das WIFO beziffert diese Steuerprivilegien mit jährlich rund 800 Millionen Euro.[4] Die Flugabgabe beträgt hingegen lediglich 12 Euro pro Passagier, bei Flügen unter 350 Kilometern 30 Euro.[5]
Besonders widersprüchlich ist die Forderung angesichts der steigenden Kosten für klimafreundliche Mobilität: Das KlimaTicket Ö Classic ist seit seiner Einführung 2021 von 1.095 auf 1.400 Euro im Jahr 2026 gestiegen. Für 2027 ist eine weitere Erhöhung angekündigt.[6] Auch die Wiener Jahreskarte wurde 2026 deutlich teurer.[7] Während Öffi-Fahrgäste immer mehr bezahlen, soll der Flugverkehr zusätzlich entlastet werden.
Auch das Argument einer Gefährdung des Wirtschaftsstandorts ist wissenschaftlich nicht belegt. Eine Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) aus dem Jahr 2014 konnte keine entsprechende Gefährdung feststellen.[8] Eine europäische Untersuchung von Falk und Hagsten (2018) zeigte zudem, dass negative Auswirkungen vor allem Flughäfen mit hohem Billigfluganteil betrafen, während bei regulären Drehkreuzen keine statistisch signifikanten Effekte feststellbar waren.[9]
Statt die Flugabgabe abzuschaffen, braucht es faire Wettbewerbsbedingungen durch vergleichbare Abgaben in den Nachbarstaaten und gemeinsame europäische Mindeststandards.
Parents For Future Österreich fordern daher:
- Flugabgabe beibehalten: Keine Abschaffung oder Senkung
- Faire Besteuerung in Europa: Gemeinsame Mindeststandards schaffen und insbesondere Nachbarstaaten wie die Slowakei für vergleichbare Flugabgaben gewinnen.
- Öffentlichen Verkehr stärken: Leistbare Öffi-Tickets und den Ausbau von Bahn und Bus priorisieren.
- Transparenz schaffen: Die Befürworter einer Abschaffung müssen offenlegen, wie die Budgetausfälle ausgeglichen werden sollen.
Als Parents For Future sehen wir darin auch eine Frage der Generationengerechtigkeit. Die Folgen der Erderhitzung werden vor allem unsere Kinder und Enkelkinder tragen müssen. Eine verantwortungsvolle Politik sollte deshalb klimafreundliche Mobilität attraktiver und leistbarer machen, statt klimaschädlichen Flugverkehr weiter steuerlich zu begünstigen.
Budgetverantwortung darf keine Einbahnstraße sein. Wir appellieren an die Bundesregierung und die Landeshauptleute, sich für die Beibehaltung der Flugabgabe und eine gerechte Besteuerung des Flugverkehrs in ganz Europa einzusetzen.
Quellen:
[1] Der STANDARD, 28.10.2026: Sieben Bundesländer gegen die Flugabgabe: Was die Forschung sagt.
https://www.derstandard.at/story/3000000346298/sieben-bundeslaender-gegen-die-flugabgabe-was-die-forschung-sagt
[2] Bundesministerium für Finanzen: Budget in Zahlen und Grafiken, Budgetansätze zur Flugabgabe. Für 2026 und 2027 sind jeweils rund 190 Mio. Euro veranschlagt.
https://service.bmf.gv.at/Budget/Budgets/VBB/de/2027/Home/DivergingBarChart?currency=MioEuro&filter=800102&showGrafic=True&showTable=false&type=FV
[3] Bundesministerium für Finanzen: Discussion Paper – Flugticketabgabe. Erläuterungen zur Mineralölsteuerbefreiung für Kerosin und zur Umsatzsteuerbefreiung internationaler Flugreisen.
https://www.bmf.gv.at/dam/jcr%3A9ae19722-d1c2-4c34-96d8-74687a195253/01_Flugticketabgabe.pdf
[4] Kletzan-Slamanig, D., Köppl, A., Sinabell, F., Kirchmayr, S., Müller, S., Rimböck, A., Voit, T., Heher, M., & Schanda, R. (2022). Analyse klimakontraproduktiver Subventionen in Österreich. WIFO, Universität Wien, Sattler & Schanda Rechtsanwälte. https://www.wifo.ac.at/publication/pid/19011561.
[5] Republik Österreich, Unternehmensserviceportal: Flugabgabe – Steuersätze. Seit September 2020 gelten 12 Euro pro Passagier bzw. 30 Euro bei Strecken unter 350 km.
https://www.usp.gv.at/themen/steuern-finanzen/weitere-steuern-und-abgaben/flugabgabe.html
[6] KlimaTicket Österreich: Offizielle Tarifinformationen; Parlament Österreich, Ministerialentwurf 155/ME vom 28.10.2026 zur Begrenzung der Valorisierung 2027 auf zwei Prozent.
https://www.klimaticket.at/
https://www.parlament.gv.at/gegenstand/XXVIII/ME/155
[7] Stadt Wien: Qualitätssicherungspaket – Tarifanpassung ab 2026; ORF Wien, 23.10.2026: Jahreskarte kostet künftig 483 Euro.
https://www.wien.gv.at/politik/gebuehren-ab-2026-ortstaxe-parkgebuehren-wienerlinien
https://wien.orf.at/stories/3376621/
[8] Schönpflug, Karin; Paterson, Iain; Sellner, Richard (2014): Evaluierung der Flugabgabe – Update zur IHS Studie 2012. Institut für Höhere Studien, Wien, im Auftrag des Bundesministeriums für Finanzen, September 2014.
https://irihs.ihs.ac.at/id/eprint/2887/1/IHSPR6541150.pdf
[9] Falk, Martin; Hagsten, Eva (2019): Short-run impact of the flight departure tax on air travel. International Journal of Tourism Research, 21(1), S. 37–44. Online veröffentlicht am 3. Oktober 2018.
https://doi.org/10.1002/jtr.2239