Offener Brief an Bundesminister Norbert Totschnig

  • Beitrags-Kategorie:Ö

Sehr geehrter Herr Bundesminister Totschnig,

der Sommer 2026 zeigt Österreich an seiner Belastungsgrenze: Hitzewellen mit Temperaturen von über 40 Grad, tropische Nächte, extreme Trockenheit, sinkende Wasserstände, Waldbrandgefahr sowie Starkregen, Überflutungen und Murenabgänge, prägen seit vielen Wochen die Nachrichten. Für die österreichische Bevölkerung ist die Klimakrise nicht länger ein Zukunftsthema – sie ist Teil ihres Alltags.

In der politischen Debatte hören wir derzeit vor allem ein Wort: Anpassung.

Ja, Österreich muss sich an jene Folgen anpassen, die sich bereits heute nicht mehr verhindern lassen. Wir brauchen Hitzeschutz, mehr Grün in unseren Städten, die Umsetzung der Schwammstadt, widerstandsfähige Wälder, renaturierte Flüsse und einen sorgsamen Umgang mit unserem Wasser. Aber Anpassung allein wird nicht verhindern, dass die fortschreitende Klimakrise unsere Lebensgrundlagen vernichtet.  Anpassung lindert die Symptome – sie beseitigt nicht die Ursache.

Deshalb stellen wir Ihnen zum bereits dritten Mal dieselbe Frage::

Wo bleibt das Klimaschutzgesetz?

Österreich wartet seit Jahren auf ein Gesetz, das verbindliche Klimaziele, klare Verantwortlichkeiten und wirksame Maßnahmen festlegt. Der bisher vorgelegte Entwurf blieb weit hinter diesem Anspruch zurück. Seitdem ist sehr viel wertvolle Zeit vergangen – Zeit, die wir angesichts der rasanten Entwicklung nicht mehr haben.

Anpassung hat Grenzen

Wir können Gebäude besser gegen Hitze schützen, Regenwasser speichern und Städte begrünen. Doch wir können keinen Regen herbeizaubern. Wir können ausgetrocknete Flüsse nicht ersetzen, schmelzende Gletscher nicht zurückholen und verlorene Ernten nicht einfach nachholen. Wenn Niederschläge dauerhaft ausbleiben und ganze Ökosysteme kollabieren, stoßen auch die besten Anpassungsmaßnahmen an ihre Grenzen.

Gerade deshalb ist konsequenter Klimaschutz die wichtigste Voraussetzung dafür, dass Anpassung auch längerfristig sinnvoll ist und möglich bleibt.

Als Landwirtschaftsminister tragen Sie besondere Verantwortung

Kaum ein Bereich erlebt die Folgen der Klimakrise unmittelbarer als die Landwirtschaft. Dürre, Hitzestress, Wassermangel, Schädlingsdruck und Ernteausfälle nehmen zu. Unsere Bäuerinnen und Bauern brauchen sowohl Unterstützung bei der Anpassung, als auch bei der Agrarwende hin zu einer klimaneutralen Landwirtschaft.  Vor allem aber brauchen sie eine Politik, die verhindert, dass sich die Klimakrise weiter verschärft. Nicht nur in Österreich, sondern auch auf EU-Ebene, wo Österreich notwendige Verbesserungen im Klimaschutz nicht weiter behindern soll. 

Wer die Landwirtschaft langfristig schützen will, muss die Ursachen der Erderhitzung begrenzen. Das gelingt nur gemeinsam mit unseren europäischen und internationalen Partnern. Österreich wird die Klimakrise nicht allein lösen. Aber wir müssen endlich einen uns angemessenen Beitrag leisten und glaubwürdig für ambitionierten Klimaschutz eintreten. Dazu gehört auch, die eigenen Verpflichtungen einzuhalten und endlich ein wirksames Klimaschutzgesetz zu beschließen.

Nichthandeln kostet Menschenleben und Milliarden

Die Klimakrise ist längst auch eine Gesundheitskrise. Hitzewellen führen zu einer erhöhten Übersterblichkeit – besonders bei älteren Menschen, chronisch Kranken und anderen gefährdeten Gruppen. Gleichzeitig steigen die wirtschaftlichen Schäden: Gemeinden investieren Millionen in die Beseitigung von Unwetterschäden, die Landwirtschaft kämpft mit Ertragseinbußen, Unternehmen leiden unter Wasserknappheit und Produktionsausfällen. Hinzu kommen Milliardenkosten, wenn Österreich seine europäischen Klimaziele verfehlt.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr: Können wir uns konsequenten Klimaschutz leisten?

Sondern: Wie lange kann sich Österreich noch leisten, auf konsequenten Klimaschutz zu verzichten?

Herr Bundesminister,

wir werden uns an bereits eingetretene Veränderungen anpassen müssen. Aber wir entscheiden heute mit darüber, wie folgenschwer Veränderungen morgen sein werden. Selbst ein ambitioniertes Klimaschutzgesetz wird die nächste Hitzewelle nicht verhindern. Aber es ist die Voraussetzung dafür, dass Österreich seinen Beitrag leistet, die Erderhitzung zu begrenzen und den Handlungsspielraum künftiger Generationen zu bewahren.

Unsere Kinder brauchen mehr als Anpassung. Sie haben ein Recht auf eine Politik, welche die Ursachen der Klimakrise entschlossen bekämpft und dazu beiträgt, Treibhausgas-Emissionen schnell und drastisch zu reduzieren. 

Legen Sie endlich ein wirksames Klimaschutzgesetz vor, das diesem Anspruch gerecht wird! Mit freundlichen Grüßen