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Wir haben nichts und haben doch alles!

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Indigene Umweltaktivist:innen aus Bolivien zu Gast bei der Mitmach - Region Waldviertel

„Ich möchte euch keinen Vortrag halten, sondern eure Herzen berühren“, beginnt Agueda Colque den Abend, während sie auf ein kleines Tuch am Boden 1 Glas Wasser, einen Blumentopf mit Gras und eine brennende Kerze stellt. „Dafür habe ich die vier Elemente in die Mitte gelegt, um sie einzuladen hier bei unserer Begegnung anwesend zu sein, das Wasser, die Erde, das Feuer der Kerze. Der Sauerstoff ist sowieso da.“

Agueda Colque lebt am Rio Pilcomayo in Bolivien, ist Indigene und verfügt über langjährige Erfahrung in der Arbeit mit indigenen Gemeinschaften insbesondere zu Dialogprozessen, nachhaltiger Landwirtschaft, Ernährungssicherheit und Frauenförderung.

Sie erzählt von den Werten ihrer indigenen Gemeinschaft vom „Buen vivir“ Prinzip, dem guten und nachhaltigen Leben für alle und nennt die 3 Säulen dafür: die Fülle (abundancia) ist immer vorhanden und will von uns wahrgenommen werden, das Gleichgewicht (equilibrio) ist immer anzustreben z.B. im Geben und Nehmen, die Weisheit (sabiduria) hat viel mit dem Herzen, dem Wissen der Ahnen und den überlieferten Geschichten zu tun.

Entsprechend diesen Werten engagiert sich Agueda für die Stärkung von Frauen, Bildung, die Sicherung von nachhaltigen Lebensgrundlagen wie Kunsthandwerk und Fischerei und für den Zugang zu sauberem Wasser.

Wenn der Fluß langsam stirbt

Die bittere Realität am Rio Pilcomayo ist, dass das Wasser durch Bergbau und Rohstoffabbau so verschmutzt ist, dass die Fische mit Quecksilber belastet sind. Die Lebensgrundlage der Weenhayek Volkes ist dadurch bedroht, da diese vom Fischfang abhängig sind. Es gibt eine Zunahme an Blutkrebs entlang des Rio Pilcomayo. Die dafür verantwortlichen Bergbau Konzerne (aus China und Asien) wurden deswegen verurteilt, aber dies blieb ohne Konsequenzen.

Lenny Espinoza, Anthropologin und Kulturmanagerin, arbeitet mit Frauen und Jugendlichen der Weenhayek zu den Themen Menschenrechten, Empowerment und Klimawandel. Sie erzählt von den Auswirkungen des Klimawandels wie Überschwemmungen, wodurch bestimmte Pflanzen nicht mehr ausreichend gedeihen, und mit neuen Anbaupflanzen experimentiert wird.

Bäume pflanzen, anstatt nörgeln

Die Bäume pflegen, die es bereits gibt, sie bewässern und versorgen und weitere Bäume auf der Hochebene pflanzen, dafür kooperieren die beiden Frauen mit den Gemeinden in der Region Potosi.

Schulen im ländlichen Raum, Bildung für Frauen, nachhaltige Einkommensmöglichkeiten, Ernährungssicherheit und kulturelle Anerkennung sind wichtige Säulen für eine lebenswerte Zukunft ihrer Gemeinschaften.

Agenten des Wandels

„Es liegt in unseren Händen eine neue Welt zu erschaffen“, motiviert und Agueda,“seien wir Agenten des Wandels!“ Sie schenkt allen 30 Teilnehmenden einen Zettel mit dem Kreuz des Südens. Dieses Sternbild des Südens ist in ihrer Sprache die“ Brücke des Wandels“. Agueda fordert alle auf, die eigene Vision des Wandels darauf zu schreiben und sich dazu zu verpflichten.

Berührt und inspiriert

Die Lebensfreude der beiden kraftvollen Frauen, die sich trotz großer Herausforderungen organisieren, um ihre Gemeinschaften zu stärken, für ihre Rechte zu kämpfen und regenerativ das Ökosystem pflegen war tief beeindruckend. Sie fordern uns auf, uns ebenso zu engagieren.

 

Exkursion am 5.5. ins Kamptal ...

… mit Mag. Stefan Glaser , Ökologe, der über die biologischen Besonderheiten, Waldnutzung, die Geschichte der Energiegewinnung und dem Plänen einen Nationalpark zu installieren berichtet. Austausch über Problematik am Rio Picomayo, Zuhause der bolivianischen Gäste.