Seite A: 🛑 Absacken: Die Bitternis der verlorenen Heimat
Thomas blickt auf die verdorrten Halme vor seinem Bauernhof, während die Abendsonne hinter den Bergen versinkt. Morgen wird die letzte Kuh abgeholt. Wer nicht mit den Großen und ihren Subventionen mithalten kann, muss gehen. Die Mure, die seine Streuobstwiese und den Stadl mit den Futtervorräten hinwegriss, hat auch ein Loch in sein Herz geschlagen. Er weiß: So wie bisher geht es nicht mehr weiter.
Die Sommer sind gnadenlos heiß, die Gewitter zerstörerisch. Sein Nachbar hat längst aufgegeben – nach einem tödlichen Zwischenfall mit einer Kuh wurde er verklagt, die Schulden haben ihn am Ende das Leben gekostet. Um überleben zu können, müsste auch Thomas immer mehr Kühe halten und immer größere Mengen an Futter auftreiben – doch das System ist längst am Anschlag.
Thomas seufzt tief. Seine Kinder haben ihn gestern gefragt, ob sie später noch hier leben können. Er konnte ihnen nicht in die Augen schauen und versprechen, dass dieser Hof, diese Berge, noch ihre Heimat bleiben. Vor seinen Augen bricht das Leben weg, das Generationen aufgebaut haben. Das Gewicht der Geschichte drückt auf seine Schultern. Zum ersten Mal denkt er nicht nur an Aufgeben: er fühlt, dass er es vielleicht tun muss.
Ist das die Erbschaft, die wir unseren Kindern hinterlassen: Angst, Verzicht und der Verlust unserer Lebensgrundlage?