Obwohl wir Parents For Future ganz unterschiedliche Menschen sind, haben wir alle etwas gemeinsam: wir haben uns bewusst dafür entschieden, aktiv zu werden, weil wir uns nicht mit einer passiven Opferrolle abfinden. Wir weigern uns, Opfer einer Regierung zu sein, die Klimaschutz und Renaturierung nach Kräften verschleppt, Opfer mächtiger Konzerne, für die ein Weiter-wie-bisher gute Profite bedeutet.
Wir Parents For Future haben erkannt, dass wir handeln können, dass wir uns nicht mit fehlenden Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen abfinden müssen. Trotz der teils tödlichen Hitze, trotz der massiven Dürre und den daraus resultierenden Ernteschäden wissen wir, dass dieser Sommer nur ein Vorgeschmack auf die nächsten Jahre und Jahrzehnte ist. Und wir wissen, dass wir – und möglichst viele andere Menschen – handeln müssen, um die Klimafolgen so gering wie möglich zu halten.
Deswegen setzen wir uns konsequent für eine bessere Klimapolitik ein.
Aber natürlich sollten das noch viel mehr Menschen tun. Und deswegen haben wir uns gefragt, was würden wir den Menschen sagen, die noch nicht aktiv sind? Was würden wir uns wünschen, dass sie wissen?
Drei Dinge.
1) Die Politik handelt nur unter Druck
Viele Menschen glauben, dass die Regierungen handeln werden, sobald die Klimafolgen stark genug sind. Viele von uns, die schon seit Jahren aktiv sind, haben das anfangs auch geglaubt. Und dann sind die Klimafolgen auch bei uns sehr, sehr deutlich geworden, viel früher als selbst die Wissenschaft es erwartet hätte. Was wir daraus gelernt haben?
Dass zum Beispiel die deutsche Regierung nicht handelte, als eine Flut allein im Ahrtal auf einen Schlag 135 Menschen das Leben kostete, zusätzlich zu über 30 Milliarden Euro Sachschäden.
Auch unsere Regierung hat nach dem Hochwasser im September 2024 nicht verstärkt in Klimaschutz und vorsorgenden Hochwasserschutz durch Renaturierung investiert – trotz fünf Todesopfern und geschätzten 1,3 Milliarden Schäden.
Insofern waren viele von uns nicht überrascht, dass dieser extreme Sommer nicht zu intensivierten Klimaschutzbemühungen geführt hat, sondern zu einem komplett zahnlosen, fast schon unverschämten Entwurf für das seit fünf Jahren überfällige Klimaschutzgesetz.
Frustriert, ja; wütend, weil den Entscheidungsträger:innen offenkundig der Schutz unserer Lebensgrundlagen so egal ist – und weil das unsere Kinder noch viel mehr treffen wird als uns selbst – aber überrascht waren wir nicht.
Die Politik handelt nur unter Druck. Wenn seitens der Bevölkerung nicht genügend Druck aufgebaut wird, überwiegt der Druck von Interessensvertretungen wie WKO und Industriellenvereinigung, Baulobby, Autozulieferindustrie, OMV, Flughafen Wien. Um nur einige wichtige Akteure zu nennen, die systematisch und sehr erfolgreich gegen wirksamen Klimaschutz lobbyieren.
Die Bevölkerung, das sind wir. Von uns hängt es ab, ob es genug Druck in die richtige Richtung gibt. Zwar sollte die Politik auf die Wissenschaft hören, aber wir müssen uns bewusst sein, dass sie das nicht tut. Deswegen spricht Professor Reinhard Steurer von einem Gesellschaftsversagen. Das Politikversagen ist eindeutig. Aber wenn wir, die Bevölkerung, daraufhin nicht handeln, dann versagen wir, dann versagt die Gesellschaft.
2) Wenn alle diejenigen, die sagen, man kann ja doch nichts ändern, oder, es ist schon zu spät, stattdessen aktiv werden würden, dann hätten wir schon halb gewonnen.
Es ist sehr menschlich anzunehmen, dass man als Einzelperson nichts tun kann; es ist wahrscheinlich bis zu einem gewissen Grad auch eine willkommene Möglichkeit, die lauernde Bedrohung auszublenden. Weil, wenn ich ohnehin nichts tun kann, warum nicht weitermachen mit meinem gewohnten Leben, der Alltag ist problematisch genug…
Nur ist das zu kurz gedacht. Die Einzelperson mag wenig Möglichkeiten haben, Druck aufzubauen (obwohl wir uns alle erinnern können, dass Greta Thunberg am Anfang mit ihrem Schild alleine war!); aber jede erfolgreiche Bewegung besteht aus ganz vielen Einzelpersonen, die beschlossen haben, aktiv zu werden. Und selbst in Situationen, wo man dachte, der Zug wäre längst abgefahren, haben Gruppen, die aus lauter Einzelpersonen bestanden, es geschafft, politische Entscheidungen umzukehren. Denken wir an den wachsenden Widerstand gegen Atomkraft, der letztendlich zur Abstimmung über Zwentendorf führte, oder an den erfolgreichen Widerstand gegen das geplante Wasserkraftwerk in der Hainburger Au.
Auch die Professorin Helga Kromp-Kolb hat unlängst in einem Interview betont, dass wenn genug Menschen es wollen, auf einmal Entwicklungen möglich sind, an die kurz zuvor noch niemand geglaubt hätte. Und nannte als Beispiele Orbans Wahlniederlage im April, aber auch die Wahl von Mamdani zum New Yorker Bürgermeister.
Change is possible.
3) Der Satz „Klimaschutz können wir uns nicht leisten“ ist an Blödheit kaum zu übertreffen.
Die bei der ÖVP so beliebte Aussage, dass Klimaschutz nicht auf Kosten von Wirtschaft, Standort und Wettbewerbsfähigkeit gehen darf, verdreht die Realität komplett. Kurzfristig kann fehlender Klimaschutz mächtigen Akteuren ein weiter-wie-bisher und damit höhere Profite ermöglichen. Das sture Beharren auf dem Bau der Lobauautobahn ist ein Paradebeispiel dafür.
Was wir uns tatsächlich nicht leisten können, ist zu wenig Klimaschutz.
Wir haben bereits die Milliardenschäden durch die Hochwasser im deutschen Ahrtal 2021 und in Österreich 2024 erwähnt.
Ein anderes Beispiel: jeder einzelne Hitzetag mit über 30 Grad kostet die deutsche Volkswirtschaft fast eine halbe Milliarde Euro. Bei über 35 Grad steigen die Kosten auf fast eine Milliarde Euro pro Tag!
Dementsprechend veranschlagt die Wissenschaft die Kosten des Nicht-Handelns um ein Vielfaches höher als die Kosten von umfassendem Klimaschutz und Klimaanpassungsmaßnahmen. Auch die Versicherungen spüren den Druck massiv und warnen vor unversicherbaren Risiken. Von Planungssicherheit bis zum Schutz von Lieferketten – die Wirtschaft kann von konsequentem Klimaschutz nur profitieren!
Abschließend unsere drei Punkte für all jene, die noch nicht aktiv geworden sind und es dringend werden sollten, ganz kurz zusammengefasst:
– Ob etwas weitergeht, hängt nur von uns ab.
– Jede und jeder Einzelne zählt.
– Lassen wir uns nicht länger für dumm verkaufen!
Deshalb:
Kommt am 16. Oktober zum Klimastreik – in sechs Bundesländern gehen wir unter dem Motto „Ohne Klimaschutz ist alles nichts“ auf die Straße!
Alle Details findet ihr unter diesem Link: https://fridaysforfuture.at/events/grossstreik
Manya G.