Am 11. September wurde in Linz ein Zeichen für Transparenz, Mitsprache und einen verantwortungsvollen Umgang mit unseren Ressourcen gesetzt. Auch die Parents For Future Oberösterreich waren bei der Kundgebung „Von Kronstorf lernen! Faire und transparente Digitalisierung – Jetzt!“ dabei.
Gemeinsam mit der BürgerInneninitiative Rechenzentrum Kronstorf und weiteren Unterstützern wollen wir deutlich machen: Digitalisierung und der Ausbau von KI-Infrastruktur dürfen nicht auf Kosten von Klima, Umwelt und kommenden Generationen gehen.
Zwei sehr unterschiedliche Bilder
Besonders deutlich wurde an diesem Tag der Gegensatz zwischen politischer Darstellung und den Sorgen eines Teils der Bevölkerung.
Während rund 400 Teilnehmer*innen in Linz auf die Straße gingen und mehr Transparenz und Mitspracherecht bei einem der größten Infrastrukturprojekte Oberösterreichs einforderten, wurde das Google-Rechenzentrum auf politischer Ebene vor allem als wirtschaftliche und technologische Chance präsentiert.
Die kritischen Fragen verschwinden dadurch aber nicht.
Unbeantwortet bleiben nach wie vor die Fragen nach der (großen) Wertschöpfung für die Region und für Österreich. Digitale Großindustrie produziert nichts im herkömmlichen Sinn, daher werden auch keine nennenswerten Arbeitsplätze (1 Arbeitsplatz pro 5000 qm bei Google) geschaffen. Im Gegenteil ist eher zu erwarten, dass mit KI Arbeitsplätze zunehmend abgebaut werden. Dafür fließen die Gewinne ins Ausland (sogar der Bau ist in ausländischer Hand). Dafür werden unsere wertvollen Ressourcen (Boden, Wasser, Strom) in riesigen Mengen an einen Privatkonzern verkauft. Und dafür zementieren wir die Abhängigkeit zu US-Konzernen ein, die am Gängelband einer unberechenbaren US-Regierung hängen. Souveränität und nationale Sicherheit sieht anders aus.
Die Befürworter unter den Politikern legen dabei eine Mischung aus Naivität und Skrupellosigkeit an den Tag – auf dem Rücken der Natur, der Bevölkerung und auch auf dem Rücken großer Konzerne, die ebenfalls in naher Zukunft viel Strom brauchen werden, wie die VOEST. Die Politik hat die Pflicht, auf all diese Punkte Antworten zu liefern. Denn ihre Aufgabe zuallererst ist es immer noch, für die Bevölkerung zu arbeiten.
Gerade große KI-Hyperscaler stellen uns vor neue Herausforderungen. Ihr Bedarf an Strom, Wasser und Fläche muss ebenso transparent gemacht werden wie mögliche Auswirkungen auf Stromnetze, Energiepreise und Klimaziele. Es braucht klare Regeln, eine umfassende Prüfung der Folgen und eine frühzeitige Einbindung der betroffenen Bevölkerung. Eine zentrale Forderung bei solchen Großprojekten ist daher eine verbindliche Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), die das Gesetz nach wie vor bei Rechenzentren nicht vorsieht.
Kronstorf zeigt exemplarisch, warum diese Diskussion nicht erst beginnen darf, wenn wesentliche Entscheidungen bereits gefallen sind. Aus Kronstorf müssen wir für künftige Rechenzentrumsprojekte in Oberösterreich und ganz Österreich lernen.
Dabei geht es nicht darum, Digitalisierung oder Künstliche Intelligenz grundsätzlich abzulehnen. Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Unter welchen ökologisch verträglichen, sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen soll diese Infrastruktur entstehen – und wer trägt ihre Kosten und Risiken?
Gerade deshalb braucht es neben den positiven Erwartungen an Investitionen und Digitalisierung auch eine öffentliche Debatte über Ressourcenverbrauch, Nutzen für die Region und langfristige Folgen.
Ein großes Danke an die BürgerInneninitiative Rechenzentrum Kronstorf für ihr anhaltendes Engagement und die Organisation der Kundgebung – und an alle Menschen und Organisationen, die gemeinsam für eine Digitalisierung eintreten, die transparent, fair und am Gemeinwohl orientiert ist.
Denn auch bei der digitalen Transformation gilt: Wir müssen heute so entscheiden, dass unseren Kindern und Enkelkindern morgen noch alle Möglichkeiten offenstehen.
Medien
Die Oberösterreichischen Nachrichten berichteten kurz über die Kundgebung in Linz. Der ORF Oberösterreich berichtete am selben Tag ausführlich über das Google-Rechenzentrum und dessen Bedeutung für den Wirtschaftsstandort – die Kundgebung und die dort vorgebrachten Bedenken fanden in diesem Beitrag hingegen keine Erwähnung.
OTS-Presseaussendung zur Ankündigung der Kundgebung (4.9.2026)